Annapurna Umrundung Nepal

Wegbeschreibung / Tourenverlauf
 
Im September 2010 haben wir uns einen lang ersehnten Wunsch erfüllt. Die Umrundung des Annapurna
Bergmassivs (Annapurna-Circuit) in Nepal. Diese Trekking Tour gilt als eine der schönsten Trekking-Touren weltweit und hat als Highlight die Überschreitung des Thorung La in 5416m Höhe (La=Pass).
Trotz rechtzeitiger Planung war es nicht allen Wanderfreunden möglich an dieser außergewöhnlichen Tour teilzunehmen. Für zwei Nepal-Erfahrene war es sehr bitter leider absagen zu müssen. Andere trauten sich diese Tour nicht zu. So bestand unsere Gruppe schließlich aus drei Bergwanderfreunden.
Als Trekkingzeit wählten wir Anfang September, das Ende der Regenzeit in Nepal. Die eigentliche Haupttrekkingsaison beginnt jedoch erst Ende September/Anfang Oktober und dauert bis Ende November. Wir nahmen das Risiko von letzten Regenfällen in Kauf mit der Hoffnung auf saftig grüne Landschaften. Die komplette Umrundung des Bergmassivs dauert ca. 20 Tage. Aus Zeitgründen wählten wir eine verkürzte Route (Ende in Jomsom). Also zunächst durch das nördliche Marsyandi Tal, über den Pass und dann im Kali-Gandaki Tal zurück. Diese Variante ist empfehlenswerter, da  in der entgegengesetzten Version ein
extrem steiler Aufstieg von 1800 Höhenmeter zum Pass und anschließend ein 800 Höhenmeter Abstieg folgen würde. Leider ist auch mittlerweile die Kali - Gandaki Tal Route durch den Bau einer „Straße“ als Trekking Route weniger schön. Unsere ausgewählte Tour dauert 15 Tage. Durch die Höhenunterschiede und der Dauer der Tour ist etwas Kondition erforderlich. Ein wenig Trekking- und Wandererfahrung ist von Vorteil. Es gibt jedoch grundsätzlich keine ausgesetzten oder besonders gefährliche Stellen. Unbedingt zu empfehlen ist jedoch ein guter Guide der Tipps zur Route, Verpflegung, Unterkunft und besonders Tages-und Streckeneinteilung geben kann. Angesichts der zu überschreitenden Höhe von bis zu 5416 m ist eine Höhenanpassung notwendig. Wir hatten den besten Tourenguide und Freund Norbu dabei. Doch dazu weiter unten und unter "links" mehr.
 
Die Stationen im Überblick:
Anreise per Flug von Frankfurt über Abu Dhabi nach Kathmandu; Kleinbustransfer nach Besisahar; Start der Trekking Tour "Annapurna-Circuit"; Tagesetappen und Übernachtung: Besisahar bis Bahundanda,  Bahundanda bis Chamje,
Chamje bis Dharapani, Dharapani bis Chame, Chame bis Lower Pisang, Lower Pisang bis Manang, 2 Tage
Akklimatisierung hier. Manang bis Ledher, Ledher bis Thorung Pedi Basecamp, Übergang Thorung La und Abstieg bis Muktinath, Muktinath bis Kagbeni, Kagbeni bis Jomsom, Ende der Trekking Tour, Rücktransport bis Pokhara (eigentlich per Flug, aber witterungsbedingt auf dem Landweg);
 1. Tag in Kathmandu
2. September 2010
Ankunft am späten Nachmittag in Kathmandu nach Flug von Frankfurt über Abu Dhabi. Norbu holt uns ab und bringt uns zum
Hotel im Touristenviertel Thamel. Am nächsten Tag besuchen wir unseren Freund Norbu mit Familie und bestaunen sein neues Haus. Wir freuen uns seine Frau Kupila und die einst so "kleine" Prethi wiederzusehen. Groß ist sie geworden! Wir genießen die Gastfreundschaft. Später bleibt Zeit für ein bisschen Sightseeing in Bodnath, einer tollen buddhistischen Tempelanlage, die eine faszinierende Ruhe ausstrahlt. Danach können wir noch einige Vorbereitungen für unsere Trekking Tour treffen. Manfred versucht noch ein Hemd in passender (XXL) Größe zu bekommen und erntet erst mal nur Getuschel und Lächeln. Schließlich ist er dann doch noch erfolgreich.

 
2. Tag   Fahrt von Kathmandu nach Besisahar
3. September 2010
 Um 8 Uhr holt uns Norbu mit dem Kleinbus vom Hotel ab. Es geht einmal quer durch die Stadt. Unterwegs holen wir unsere zwei Träger Luk und Tej ab. Zwei junge Nepali mit denen wir später noch viel Spaß haben werden. Der Kleinbus kämpft sich durch die verstopften und leider immer schlimmer vermüllten Straßen bergauf. Endlich auf der Passhöhe, nach gut einer Stunde haben wir gleichzeitig den Stadtrand erreicht um talabwärts in einen langen LKW Stau zu geraten. Die Regenzeit hat die Berghänge aufgeweicht und der Regen die Piste (Straße wäre in unserem Sinne geschmeichelt!) aufgeweicht oder unterspült. Erdrutsche
blockieren den Weg. Es geht nur langsam voran. Die Luft ist feucht aber die Landschaft atemberaubend grün. Nach sechs Stunden Fahrt und Stau erreichen wir den Ausgangspunkt unserer Trekkingtour, Besisahar. Hier endet auch die Straße. Das bescheidene, aber ordentliche „Mongolish Guesthouse“ (ganz am Ende der befestigten Straße) vermittelt uns einen ersten Eindruck für die folgenden Unterkünfte.




 
3. Tag von Besisahar nach Bahundanda 
4. September 2010
Endlich geh es los. Ein Jeep schaukelt uns eine Stunde einen schlechten, steinigen und holprigen Weg bergauf und durch Flüsse. Dann ist auch dieser Weg zu Ende und von nun an geht es nur noch zu Fuß weiter. Direkt als Einstieg eine große lange Hängebrücke, von denen noch viele folgen sollen. Es regnet immer wieder und es ist sehr warm. Trotzdem genießen wir die Ruhe - endlich kein Autolärm mehr -, und die tolle sattgrüne Berglandschaft. Immer wieder queren wir Wasserläufe auf  kleinen Stegen, Hängebrücken oder einfach mitten durch. Am Nachmittag geht es dann über Reisterrassen, an Bananenstauden vorbei berghoch. Der Regen hat nachgelassen und wir schwitzen jetzt mächtig. Schließlich erreichen wir unsere Unterkunft "Super View Lodge" in Bahundanda. Die Lodge, auf einer Bergkuppe gelegen,  macht ihrem Namen alle Ehre. Es bleibt noch ein bisschen Zeit zum Ausspannen und Spielen. Mit uns sind u.a. noch ein australisches Pärchen in der Lodge, die in der Nacht sicher die dünnen Sperrholzwände verflucht haben werden.



 
4. Tag von  Bahundanda bis Chamje
5. September 2010
Der Tag beginnt mit einer schlechten Nachricht. Norbus Handy ist weg. Ein wichtiges Hilfsmittel für ihn um von unterwegs weitere Vorbereitungen für kommende Touren durchzuführen. Wir brechen bei nun trockner, warmer Witterung auf. Wir laufen ständig am Fluß entlang. Oft weit oberhalb durch Reisfelder, kleine Siedlungen oder nur an Blechhütten vorbei. Unterwegs begegnen wir
Schulkindern auf dem Weg zur Schule, Händlern, Trägern, die riesige Körbe tragen, und jede Menge Muli-Karawanen. Der Weg ist gut zu gehen, gelegentlich jedoch durch Regen überflutet oder schlammig. Überall sehen wir gigantische, spektakuläre Wasserfälle. Mittagspause ist in Jagat. Es gibt mal wieder Dal Bhat, das nepalische Nationalgericht. Also Reis mit Gemüse und einer Linsensoße. Später wird das Tal immer schmaler und wir queren mal wieder auf einer riesigen Hängebrücke den Fluss. Am Nachmittag erreichen wir unsere nächste Unterkunft in Chamje. Der Ort besteht eigentlich nur aus zwei Lodges und einer Blechhütte. Die Unterkunft, auf der rechten Seite des Ortes ist schlicht, einfach aber mit warmer Dusche und Sitzklo. Später sitzen wir auf der Terrasse, spielen Karten und beobachten das Wenige was hier geschieht. Das australische Pärchen zieht an uns vorbei. So sind wir die einzigen Gäste im Haus. Sogar einen Fernseher gibt es hier! Aber das nepalisch-indische Fernsehprogramm ist grausam. So sind wir früh im Bett.




 
5. Tag von Chamje bis Dharapani
 6. September 2010
In der Nacht hat nicht nur der Wasserfall hinter dem Haus geprasselt, nein es hat auch kräftig geregnet. Aber nach dem Frühstück ist es wieder trocken. Das morgendliche Packen in den kleinen, engen Räumen wird schon zur Routine, denke ich.
Aber dann ist der Geldbeutel weg! Erst beim dritten Mal Rucksack Aus- und- einräumen taucht das Stück wieder auf. Ich schwitze, die anderen haben ihren Spaß. Der heutige Tag wird sehr warm. Der Weg führt uns ständig bergauf und der Fluss ist oft tief unter uns. Auf der gegenüberliegenden Fluss-Seite sehen wir immer wieder Arbeiter im Fels arbeiten. Irgendwann soll hier eine „Straße“ entstehen. Unglaublich! Die vielen spektakulären Wasserfälle wären in Europa jeder für sich ein einmaliges Naturspektakel. Der Marsyandi überwindet an einem Anstieg eine Steilstufe von ca. 50-70 Höhenmeter, wo er mit großem
Getöse hinabstürzt. Im Fluss werden riesige Steine in Strudellöchern bewegt, die die Erde erzittern lassen. Es müssen tonnenschwere Brocken sein! Nach erreichen der Anhöhe ändert sich das Landschaftsbild schlagartig. Der Marsyandi-Khola (khola=Fluss) ist plötzlich breit und riesig, das Tal viel weiter und wir erreichen am Flussufer unsere Mittagspause in einer kleinen Lodge im Ort „Tal“. Am Nachmittag geht es am Fluss entlang weiter und das Tal wird wieder enger. Jetzt ist der Weg öfter von
Erdrutschen blockiert und schließlich donnert auch ein Wasserfall auf den Weg. Uns bleibt keine Wahl: mitten durch! Ein Härtetest für die Regenkleidung. Unsere Unterkunft in Dharapani ist ordentlich und auch das Essen schmeckt mal wieder. Wir sind wie so oft, wegen der Jahreszeit, die einzigen Gäste. Hier gibt es sogar ein bisschen Handynetz und mit Hilfe eines nepalischen Handys können wir sogar Kontakt nach Hause finden.




 
6. Tag von Dharapani bis Chame
 7. September 2010
Unser Freund Tej bringt uns wie jeden Morgen den Tee ans Bett. Heute genießen wir das mal etwas länger. Draußen schüttet es.
Wir lassen uns beim Frühstücken Zeit, mit der Hoffnung dass der Regen nachlässt. Aber es ändert sich nicht. Bei strömenden Regen brechen wir auf. Es geht stetig bergan und bald wissen wir nicht mehr ob die Feuchtigkeit von innen oder außen kommt. Gegen 11 Uhr endlich Teepause und die Klamotten können ein wenig über dem Ofen der kleinen Teestube trocknen. Später lässt der Regen wenigstens etwas nach. Aber der Weg ist jetzt steinig und immer steiler. Zwischendurch müssen wir barfuß durch
einen kniehohen Fluss waten. Es geht steil berghoch. Die Luft ist feucht und warm. Schließlich erreichen wir auf einem kleinen Plateau unsere Mittagslodge in Dimanj. Die Jacken hängen zum Trocknen vor dem Ofen. Das allmittägliche Dal Bhat schmeckt uns wieder. Wir spielen noch ein bisschen Karten. Nach Mittag ist es endlich trocken. Und mit frischer Kleidung genießen wir jetzt die immer alpiner werdende Landschaft. Die Berge werden steiniger, felsiger. Es überwiegen jetzt Nadelbäume wie Pinien und Kiefern. Die Berggipfel sind nicht mehr grün, sondern felsig. Wir sind ja auch schon über 2600m hoch. Nach einem langen Tag erreichen wir schließlich Chame. Gegenüber unserer Lodge gibt es sogar ein kleines Internetcafe. Auch wenn die Verbindung unendlich langsam ist (wenn denn Strom da ist!), immerhin eine Möglichkeit unseren Blog für zu Hause zu betreuen und ein paar Nachrichten und Reaktionen von dort zu lesen. Leider gibt es heute keine Chance auf eine warme Dusche. Nach dem langen Tag
im Regen wäre das gut gewesen. Aber auch so sitzen wir abends zufrieden mit unseren Jungs um den Ofen und spielen Karten oder Kniffeln. Kniffel erweist sich als neues Lieblingsspiel unserer nepalischenFreunde. Wir haben dabei viel Spaß und lachen über neue Wortschöpfen für das Spiel in anderen Sprachen. Kniffel heißt ab sofort nur noch Koddo-koddo! Ein Sprachenwirrwarr aus Nepali, Englisch und Deutsch, das wohl die Würfelgeräusche nachahmt.




 




 
7. Tag von Chame bis Lower Pisang
 8. September 2010
 Am nächsten Tag geht es in das Gebiet der Manang, ein buddhistischer Volksstamm. Immer wieder geht an Gebetsmühlen und
kleinen Stupas vorbei, Überall hängen die bunten Gebetsfahnen. Das Wetter ist trocken und der Weg jetzt breit und leicht zu
gehen. Unterwegs treffen wir immer wieder auf Träger, Händler und auch wieder alte Bekannte. Die beiden Australier und auch ein
kanadisches Pärchen, die sich meist anschweigen,  treffen wir immer mal wieder. Es geht durch den Wald steil hoch, durch ein
enges felsiges Tal. Auf der Höhe machen wir Rast bei einem kleinen Teehaus. Selbst hier auf fast 3000m Höhe wachsen noch
heimische Rauchwaren /-kräuter sogar neben dem "Häuschen". Warum diese Kräuter bei uns auch als Shit bezeichnet werden,
wird uns jetzt klar. Schließlich ändert sich die Landschaft wieder und wir laufen auf einer Hochebene die den Almböden in den
Alpen ähnelnd. Nur hier wachsen auf 3000m Höhe noch Apfelbäume und Sonnenblumen!  Wir sind froh schon am frühen
Nachmittag unsere schöne Unterkunft erreicht zu haben. Denn heute haben wir mit Magen und Darm zu kämpfen .Nicht alle
schaffen es aber ohne Stopp bis Pisang. Hinter einem Busch lauern dann doch tatsächlich beim "Geschäft" zwei Kälber. Ein
schöner Schrecken! Pisang ist ein wunderbarer Ort mit schönen Aussichten. Die Unterkunft, ein mehrgeschossiges Holzhaus
wirkt geradezu komfortabel. Nach gutem Essen folgt noch ein langer Spielabend.




 
8. Tag von Pisang bis Manang
 9. September 2010
Heute war die erste Nacht über 3000m. Wir haben etwas unruhiger als sonst geschlafen, aber sonst keinerlei
Höhenschwierigkeiten. Der Himmel ist stahlblau und endlich sehen wir die Schneeriesen. Annapurna II und III oder Lamjung. Alle
zwischen 6800 und 7900m hoch. Eine fantastische Kulisse. Und der Tag bleibt sonnig und schön. Wir genießen jeden Moment,
jede Aussicht. Der Weg ist durch dieses breite Hochtal leicht zu laufen.. Auf einer kleinen Anhöhe können wir weit in die
Hochebene hineinschauen und unser Teepausenziel Humde mit seinem Airport sehen. Es geht durch Ackerflächen, an Hirse-
und Gerstenfeldern sowie Pferdeweiden vorbei. Links und rechts riesige schneebedeckte Berge. Tolle Fotomotive! Kurz vor
Manang ist im Ort Braga Mittagspause. Eigentlich wollten wir hier noch ein Kloster besichtigen, aber Norbu sagt ab und wir
liegen faul im Schatten und genießen ein wenig Freizeit. Die Sonne brennt heute heftig und wir erreichen schließlich am frühen
Nachmittag die traumhaft schön gelegene Distriktstadt Manang am Ausläufer des Ganjapurna Gletschers.




 
 9. Tag  in Manang 
10. September 2010
 Hier verbringen wir einen Tag um uns langsam an die Höhe zu gewöhnen. Manang ist eine etwas größere Ortschaft, die sich
großspurig Distrikthauptstadt nennt. Es gibt einige größere Lodges, die zur Hauptsaison im Oktober sicher alle voll sind und ein
paar kleine Geschäfte. Sogar ein bisschen Internetsurfen ist hier möglich. Trotz der Höhe von 3600 m staunen wir über die vielen
Blüten, die tollen kleinen Bauerngärten und immer wieder über die grandiose Landschaft. Einerseits den Blick zurück ins Tal,
anderseits der Blick auf die 7000 und 8000er und den Gletscher. Zur Höhenanpassung machen wir zwei  Ausflüge auf kleine
umliegende Anhöhen und genießen das schöne Wetter und die Landschaft. Beim Ansteigen merken wir jetzt doch etwas die
deutlich "dünnere Luft". Wir gehen langsam. Abends spielen wir wieder Koddo-Koddo (Kniffel) und staunen und ärgern uns über
die inzwischen per Helikopter eingeflogene  protzig und rücksichtslos  auftretende russische Reisegruppe. Trotzdem wird es eine
ruhige Nacht mit einem tollen Sternenhimmel.




 




 
 

10. Tag von Manang  bis Ledher
11. September 2010
Heute folgt eine richtig schöne "alpine" Bergwanderung. Die Sonne scheint und der Weg steigt stetig an, ist aber leicht zu laufen.
Immer wieder bleiben wir stehen und genießen den Blick auf das Annapurna Massiv. Nur wenige Trekker und einheimische
Händler oder Träger begegnen uns. Ein wunderbar gelegenes Teehaus wird von einer Französin betrieben. Die Höhe macht uns
nur wenig aus, dafür ist höchste Vorsicht vor der brennenden Sonne geboten. Kurz vor Erreichen unseres Tagesziels der Lodge
"Ledher" (auch Leddar oder Lettar) ziehen Wolken auf und es wird deutlich kühler. Am Nachmittag verordnet Norbu uns wieder
Höhentraining. Wir steigen ohne Gepäck 200 Höhenmeter hinauf. Wir gehen deutlich langsamer. Trotzdem stellen sich leichte
Kopfschmerzen ein. Vorsicht ist geboten! Ledher bietet zwar gutes Essen und einen ordentlichen Aufenthaltsraum, aber die
Zimmer sind jetzt sehr schlicht. Die Matratze aus weichem Schaumstoff ist kaum 3cm dick, also ähnlich den dünnen
Holzwänden. Die Waschgelegenheit ist der auf dem bodenliegende Schlauch zur Küche, der mal kurz aufgetrennt werden muss.




 
11. Tag von  Ledher bis Thorung Pedi Base Camp
12. September 2010
Die folgende Etappe wird von vielen Gruppen weiter ausgedehnt bis Thorung Pedi. Norbu hat aber für uns entschieden nur bis
zum Base Camp auf 4600m zu gehen, da hinter dem Base Camp  eine kräftige, längere Steigung  folgt an der viele Trekker auf
der Grund der Höhe scheitern oder zumindest sehr darunter leiden. Wie immer auch diesmal eine richtige und kluge
Entscheidung von unserem Guide. Das Wetter ist heute diesig und feucht. Wir wandern durch eine steinige, nahezu
vegetationslose Berglandschaft bergauf. Es ist kühl und regnerisch und wir sind froh  schon gegen Mittag unserer Ziel erreicht zu
haben. Das ist heute die einfachste Unterkunft. Kleine Holzhäuschen mit dünnen Sperrholzwänden. Wenigstens etwas
fließendes Wasser gibt es. Wir sind müde und verbringen den Nachmittag wieder mit einem kleinen Höhentraining. Ein Stück
folgen wir dem Weg des nächsten Tages, nach einer halben Stunde reicht es! Wir atmen schwer, aber Luk hüpft mit einem
Tagesrucksack von einem Stein zum nächsten. Ihm macht die Höhe nichts aus. Immerhin ersetzt er heute zum ersten mal die
Badelatschen durch festes Schuhwerk! Abends sitzen wir um den wärmenden Ofen, der die Kälte und Feuchtigkeit ein wenig
vertreibt. Norbu versorgt eine junge Amerikanerin mit Medizin. Sie hat den Anstieg nach Thorung Pedi zunächst nicht geschafft
und leidet unter der Höhenkrankheit. Später erscheint noch die völlig erschöpfte russische Reisegruppe aus Manang. Unsere
nepalischen Freunde grinsen über deren Zustand. "Kein Wunder, ohne Höhenanpassung". Die Russen werden am nächsten Tag
für viel Geld Mulis mieten um von diesen über den Pass getragen zu werden. Wir gehen früh ins Bett und versuchen zu schlafen,
denn um 4 Uhr morgens soll unser Anstieg zum Thorung La beginnen. Der Regen prasselt auf das Blechdach und die dünne
Höhenluft macht sich bemerkbar. Nachts poltern dann auch noch die betrunkenen Russen an der Tür




 
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12. Tag von Thorung Pedi Base Camp über den Thorung  La bis Muktinath
 13. September 2010
Wir stehen um 3:30 Uhr auf. Es regnet heftig und es ist stockfinster. Uns fällt es schwer den heißen Tee und den breiigen
Porridge als Frühstück zu nehmen. Schließlich geht es bei leichtem Regen im Licht der Stirnlampen los. Ganz langsam schaffen
wir die steile Steigung bis Thorung Pedi. Immer wieder kleine Pausen und immer wieder Wasser trinken. Im Morgengrauen
können wir endlich die Regenjacken ausziehen. Jetzt ist der Weg zwar weniger steil, aber die Beine werden immer schwerer und
wir immer langsamer. Endlich erreichen wir auf 5000 m eine kleine Teehütte. Der warme Tee tut gut. Es ist jetzt kalt, um die Null
Grad. Sogar einige Schneeflocken sind in der Luft. Wir kämpfen um jeden Meter, unendlich lang erscheint uns der Weg. Jeder
Schritt fällt schwer. Immer wieder kleine Pausen zum Trinken. Für die letzten 400 Höhenmeter benötigen wir zwei Stunden,
obwohl der Weg eigentlich nur mäßig ansteigt. Unterwegs überholen uns die kranken Russen auf dem Rücken der Mulis. Ein
schäbiger Anblick! Wir schaffen es zu Fuß! Endlich, um kurz vor neun Uhr morgens haben wir es geschafft! Völlig erschöpft und
glücklich fallen wir uns in die Arme. Thorung La, 5416 Meter hoch. Sogar die Sonne kommt ein bisschen durch. Und auch hier
oben gibt es seit einiger Zeit eine kleine Teebude, eher ein Teeloch! Aber wir freuen uns über den warmen Tee und sind erst mal
nur glücklich, stolz und erschöpft, nicht ahnend dass die eigentliche Strapaze noch folgen soll. Wir brechen also nach einer
halben Stunde auf und beginnen den Abstieg nach Muktinath. Und jetzt wissen wir warum die Umrundung des Annapurna in der
von uns begangenen Richtung die leichtere ist. Wir haben einen höllischen, stundenlangen Abstieg vor uns. In umgekehrter
Richtung wollen wir diesen Weg niemals gehen! 1800 Höhenmeter steiniger, Schotterweg steil bis sehr steil bergab. Unsere
maladen, alten Gelenke schmerzen. Wir sind müde, hungrig, haben Kopfschmerzen und sehnen unser Ziel oder eine Teepause
herbei. Aber erst eine Stunde vor Muktinath gibt es eine kleine Lodge. Wir genießen die beste, heiße Nudelsuppe  die wir je
hatten: die Nudeln schienen direkt über die Zunge ins Blut überzugehen – ein „Popeye-Effekt“!! So kehrt ein bisschen Kraft
zurück und wir erreichen schließlich am Nachmittag nach elf Stunden Muktinath. Der Ort liegt schön gelegen am oberen Ende
eines Tales. Es gibt einige Lodges und wir treffen auch ein paar Trekker von unterwegs wieder. Wir genießen die heiße Dusche
und ein erstes kühles Bier. Am nächsten Morgen wird sich Norbu über die hohe Rechnung wundern. Wir fanden, wir hatten es
verdient ein wenig zu feiern!




 




 
 

 13. Tag von Muktinath bis Kagbeni
14. September 2010
 Norbu hatte uns zwar diesmal längeres Schlafen genehmigt, aber dann steht er doch schon um kurz nach sechs im Zimmer:
"Come on, get up! Take pictures, Daulaghiri with sunrise!" Tatsächlich sehen wir im frühen Sonnenlicht grandiose Landschaften
und Berge. Später folgt ein bisschen Sightseeing, Besichtigung der Tempelanlage mit 108 heiligen Quellen. Am späten Vormittag
brechen wir auf Richtung Kagbeni. Wir wandern auf einem guten, teilweise breiten Weg talabwärts. Die Landschaft ist jetzt völlig
anders, nicht mehr grün, sondern trocken fast wüstenartig. In den gegenüberliegenden Bergwänden sehen wir immer wieder
vorzeitliche Höhlen. Gelegentliche kleine Ansiedlungen wirken wie Oasen. Kleine Teebuden laden zum Verweilen in den wenigen
Grünzonen ein. Eine davon war wohl auch vor einigen Jahren mal ein Rastplatz von unserem Bergwanderfreund Thorsten, der
sicher gern auch wieder hier gewesen wäre. Weit unten sehen wir schon frühzeitig unser Tagesziel Kagbeni im Kali-Gandakital
und am Eingang des Upper Mustang. Unsere Träger erwarten uns schon in einer wunderbaren Lodge, die wir mal wieder für uns
allein haben. Nachmittags besichtigen wir den uralten mittelalterlichen Ortskern des Dorfes, schauen ins Mustangtal und gehen
noch ein wenig am Ufer und im Kali-Gandaki spazieren. Flussaufwärts bläst uns der heftige Wind, fast Sturm entgegen. Ein
alltägliches Naturschauspiel hier. Ein schöner, geselliger Abend mit Kartenspielen viel Spaß und gutem Essen. Wie und woher
Norbu das Festessen Hähnchen mit Pommes organisiert hat, ist uns ein kleines Rätsel. Und zur Krönung steht auch noch ein
örtlicher Apfelbrandy auf dem Tisch.
 




 

 14. Tag von  Kagheni bis Jomsom
15. September 2010
Heute sollte unser letzter Trekkingtag werden. Der Weg führt eigentlich ständig am Ufer oder im breiten Flussbett des
Khali-Gandaki entlang. Eigentlich leicht zu laufen. Bis Mittag wollen wir unserer Ziel Jomsom erreichen, um dem heftigen
Gegenwind, der zu dieser Zeit dann einsetzt, zu entgehen. Wir sind im tiefsten Durchbruchstal der Erde, welches schon vor der
alpidischen Auffaltung des Himalayas vor über 60 Millionen Jahren angelegt war. Links und rechts von uns, von hier aber nicht zu
sehen, erheben sich hoch über uns die 8000er Annapurna und Dhaulagiri, die nur 35 km Luftlinie auseinander sind. Kurz vor
Jomsom versperrt uns dann ein  Nebenfluss den Weg. Dieser führt zur Monsunzeit offensichtlich Hochwasser. Wieder heißt es
Schuhe aus, und irgendwie durch den Fluss. Zur Not Huckepack! Danke Luk! Später tauchen die ersten Autos auf und Jomsom
erschreckt uns. So ein Gewusel wieder. Jeeps, Kleinbusse, Laster und Mopeds. Eigentlich kann man von hier aus die
Umrundung des Annapurnas auch weiter in drei Tagesetappen bis Pokhara fortsetzen. Wir hatten aber aus Zeitgründen
beschlossen, von hier aus mit einem kleinen Flugzeug in 20 Minuten nach Pokhara zu fliegen. Wir genießen den Abend mit ein
wenig Komfort und auch über Internet ist hier wieder Kontakt nach zuhause möglich.




 

15. Tag von Jomsom bis Pokhara
16. September 2010
Wir hatten also den ersten Flieger um 8 Uhr nach Pokhara gebucht. Aber dichter Nebel, diesiges Wetter machten uns und den
Flugzeugen ein Strich durch die Rechnung. Fliegen ist hier nur bei guter Sicht und nur bis Mittag möglich. Und keine
Wetterbesserung war in Aussicht. Nach längeren Verhandlungen hatten wir endlich eine Alternative gefunden. Die
Busunternehmer im Ort haben die Notsituation der Trekker schamlos ausgenutzt. Für einen Wucherpreis wurde uns ein Bus und
Taxitranfer bis Pokahara in 12 Stunden zugesagt. Es folgte eine unglaubliche, abenteuerliche Reiseetappe, die wir alle so nicht
mehr erleben wollten. In einem alten klapprigen Bus, zwei vollgestopften Jeeps führte die "Straße" mal 50 Meter oberhalb des
reißenden Flusses, oder auch mal mittendurch. Der Hang war teilweise weggerutscht oder unterspült. Zwischendurch mussten
wir bei strömenden Regen eine Stunde von Erdrutschen und Steinschlägen bedroht, mal wieder zu Fuß gehen. Spät abends
gegen 22 Uhr erreichten wir endlich Pokhara. Das wir als einzigen Schaden "nur" eine gebrochene Rippe davon getragen haben,
war wirklich pures Glück. Und jetzt war unsere Trekking Tour wirklich zu Ende.




 
 
16. - 19. Tag in Suhara, Chitwan Nationalpark
17. -20. September 2010
Nach ausgiebigen Schlafen und Frühstücken gönnen wir uns jetzt erst mal ein bisschen Körperpflege beim Barbier oder auch auf
der Krankenstation. Schließlich brechen wir zusammen mit Norbu wieder mit unserem Kleinbus auf in Richtung Süden, Chitwan
Nationalpark. Dort wollen wir noch etwas entspannen und genießen. Von unseren tollen Trägern haben wir uns schon
verabschiedet. Die beiden wählten den direkten Weg zurück nach Kathmandu per Bus. Vier Stunden dauert die Fahrt von
Pokhara bis Suhara. Immer grüner wird die Landschaft und immer heißer die Luft. Schließlich erreichen wir bei gut 35 Grad Hitze
eine wunderbare,  komfortable Lodge. An den folgenden Tagen haben wir viel Spaß beim Elefantenreiten, Dschungelsafari im
Jeep oder Kanufahren zwischen den Krokodilen. Das es zwischendurch immer mal wieder einen Regenschauer gibt, stört nicht.
Kaum eine Abkühlung bei der Hitze! Pünktlich wie vorgesehen, steht dann wieder unser Kleinbus zur Rückfahrt nach Kathmandu
bereit. Norbus Organisation klappt einfach gut. Wir haben Glück, dass die Straße nach Kathmandu nach zwei Tagen Sperrung
jetzt wieder frei ist. Riesige Steinbrocken und Erdrutsche hatten die Piste blockiert und für kilometerlange Staus gesorgt. Nach
gut fünf Stunden tauchen wir wieder in den Moloch Kathmandu ein. Vorbei mit der Ruhe:
 




 




 
Wieder in Kathmandu
20. -22. September 2010
Wir sind wieder am Ausgangspunkt in unserem Hotel angekommen und haben noch 2 Tage Zeit zum Bummeln, Souvernirs
kaufen oder auch noch zum Besichtigen von einigen Besonderheiten. Auch in Kathmandu begegnen wir wieder dem ein oder
anderen Trekker von unserer Tour. Das australische Pärchen wird uns mit Schrecken entdeckt haben. Aber wir sehen auch die
Amerikanerin vom Thorung La wieder. Auch sie hat es geschafft. Die Abende lassen wir dann ganz entspannt in dem ein oder
anderen Pub ausklingen. Nicht nur hier hätten wir gern unseren Wanderfreund Reinhold dabei gehabt. Tom & Jerry lassen
grüßen!
 



 
Rückflug 23. September 2010
Die Tage in Kathmandu haben wir ohne Norbu verbracht, da er bereits mit Vorbereitungen für seinen nächsten Auftrag, eine große
Zelttrekkingtour, beschäftigt war. Aber er läßt es sich nicht nehmen uns zum Airport zu begleiten. Ein wirklich guter Guide und
Freund. So geht unsere Reise, unser großes Abenteuer zu Ende. Trotz der tollen Zeit und den unglaublich vielen Eindrücken und
Erlebnissen, freuen wir uns jetzt auf zu Hause.
DANKE
Unser besonderer Dank für die Reise gilt natürlich in erster Linie Norbu, Tej und Luk ohne die wir
diese Tour sicher nicht so geschafft hätten. Mit den Dreien hatten wir richtig viel Spaß. Aber auch
unsere beiden Träger waren von unserem Umgang, "Family-Trekking" begeistert. Wir waren für
die Beiden wohl mehr als nur "Clients".
Ganz besonderen Dank natürlich auch für die Unterstützung und das Vertrauen unserer Lieben zu
Hause!
Danke Reinhold für die "Motivations-email": "....zeigt Denen was eine Harke ist. Ihr schafft das" 
Danke an: Ethiad Airways, die nepalischen Bus- Taxi- und Jeepfahrer (wirkliche Künstler und Helden!) , Elefantenreiter und
 Kanufahrer, die Deutsche Bahn, diverse Ärzte und Operateure, Gelenkspezialisten usw., Danke auch an die Weidenauer
Nörgelfraktion: Auch das kann motivieren!
Text und Bilder: Die Bergwanderfreunde Jörg, Manfred und Peter