Trekking in der Ortler Region Südtirol

Wanderung im Ortlergebiet in Südtirol

Wandertour der Bergwanderfreunde vom 6. September bis 13. September 2015

70 km

5 Tage

4629m

3898m


Abfahrt in Siegen
Abfahrt in Siegen

6. September 2015, 7.15 Uhr; bereit zu neuen Taten stehen Jörg, Heiko, Reinhold, Peter, Andreas und Thorsten pünktlich marschbereit vorm Haus des Strippenziehers Jörg. Wie, nicht am Bahnhof?

Genau, diese Tour soll gleich mit einer spektakulären Neuerung starten. Erstmals in der Geschichte der Bergwanderfreunde findet die Anreise im Ford Transit Berwanderfreunde-Bus statt. Organisiert und liebevoll dekoriert von Heiko und gesponsort von Ford Fischer  aus Münster  beiden hier gleich mal ein „Dankeschön“.

 

Ziel der Wanderung ist der Vinschgau, genauer das Gebiet des Ortlers, dem mit 3905m höchsten Berg Südtirols. Auch in 2015 hat unsere Flachlandziege Heiko zusammen mit der Vinschgau incoming GmbH

in bekannt akribischer Art und Weise die Organistation übernommen.

Die Tourenplanung beinhaltete wieder Gepäcktransport, Übernachtungen und Kartenmaterial. Hier sei schon mal vorweggenommen: alles hat prima gepasst und die vielen von Heiko investierten Stunden haben den BWF wieder einmal eine fantastische Wandertour beschert. „Danke Heiko“ sagen dir dafür alle deine Bergwanderfreunde.

Lediglich die von Vinschgau incoming gelieferte Wegbeschreibung bedarf einer Überarbeitung, die Wegbezeichnungen stimmen hier leider nicht immer mit der Realität überein. Hinzu kommt noch, dass die Strecke bei weitem nicht so gut beschildert ist, wie z.B. der Vinschger Höhenweg. Darum hieß es diesmal: regelmäßig auf die Karte schauen.

 

Wegbeschreibung / Tourenverlauf

Start und Endpunkt der Tour ist der wunderschöne kleine pittoreske Ort Glurns im Vinschgau. Von hier aus geht die erste Etappe erst Richtung Osten und

dann hinein ins Münstertal Richtung Stilfs. Die folgenden Strecken gehen durch das Suldental, über das Madritschjoch und das Martelltal hinab, entlang des Zufrittsees und zurück in das breite Tal des Vinschgau. Auch diese Tour bietet uns wieder Naturgenuss pur, ob herrliche Wälder mit wilden Bachläufen, spektakuläre Panoramen in vegetationsfreien Höhen, am See entlang oder über saftig grüne Almen, das Bergwanderfreunde-Herz ist permanent entzückt.

Nachdem in den vorangegangenen Tagen und Wochen das Wetter eher schlecht als recht war können wir nur sagen:“ Wir haben hier wohl alles richtig gemacht!“. Bei sommerlichen Temperaturen ist die Sonne unser stetiger Begleiter auf der Tour.

Auch die Unterkünfte sollten sich wieder als viel-

 

 


Marktplatz in Glurns
Marktplatz in Glurns

seitig und gut erweisen. Das Ein- oder Andere Upgrade ist hier vielleicht noch möglich. Die kulinarischen Köstlichkeiten Südtirols sind ohnehin schon lange ein besonderer Anreiz für die BWF und sicherlich auch ein Grund für die Beliebtheit dieser Region bei der Auswahl der Wanderziele.


1. Tag Samstag 06.09.2015 – Anreise

Nachdem alles an Gepäck verstaut ist und vor allem der stete Wegbegleiter namens Hopfenblütentee positioniert wurde, starten die Triebwerke und es geht auf gen Süden.

Die Fahrt verläuft gewohnt fröhlich, nur diesmal weniger feucht wie gewohnt. Dies ist sowohl den beiden Fahrern Heiko und Jörg, wie der Antibiotikaeinnahme von Thorsten geschuldet.

Die Bordküche ist hervorragend ausgestattet mit Wurstspezialitäten aus dem gelobten Land Wittgenstein, Tomatensalat, Kuchen und allerlei anderen Köstlichkeiten, so dass es mal wieder an nichts mangelt. Warum auch, ist ja so viel schöner.

 

Auch das Wetter spielt mit, noch bei Regen gestartet findet die 11.00 Uhr Rast schon bei Sonnenschein statt. Von 14.00 Uhr an heißt es für eine Stunde Stau bei Füssen vor dem Tunnel, die Wartezeit kann aber mit Haubergsfeuer gefühlt verkürzt werden. Um 18.30 Uhr fahren wir dann in Glurns ein. Ein wunderschönes Städtchen mit gut erhaltener Stadtmauer und reichlich schöner alter Gebäude. Unsere Bleibe für die Nacht ist der Gasthof Krone.

 

Dieser gehört offensichtlich zum Hotel Grüner Baum gleich nebenan. Die Zimmer sind OK und mal mehr, mal weniger geräumig. Zum Abendessen kehren wir im Gasthof „Zum Steinbock“ ein, hier erwarten uns leckere Bandnudeln mit Pilzen und Wildragout oder auch prima Pizza Försterin oder Bäuerin bei super aufmerksamer Bedienung. Und gelernt haben wir auch was: z.B. heißt hier völlig überraschend Kaffee mit Milch Cappuccino, aha! Und zwei Viertel Wein sind hier auch als Halbe bekannt, so so.

 

 


Von Glurns nach Stilfs

 
2. Tag – Sonntag 07.09.2015 - 1. Etappe von Glurns nach Stilfs
 
Ab 7.15 Uhr finden sich nach und nach alle BWF zum Frühstück im Hotel Grüner Baum ein.
5x Kaffee und 1x Tee deuten deutlich darauf hin, dass wir auch in dieser Nacht standardmäßig einen Ausfall hatten. Also alles wie gewohnt.
Nach einem sehr guten Frühstück ist die Gruppe dann um 8.30 Uhr startklar. Die Vinschgau Trekking Tour 2015 startet optimal bei herrlichem Sonnenschein mit einem 1½ stündigen flachen Jakobsweg durchs Tal, ideal zum Einlaufen und optimal, um die ersten Eindrücke der schönen Umgebung aufzusaugen. Im Örtchen Lichtenberg geht es dann bergauf zur Burgruine Lichtenberg .
Hier kommt es dann auch schon zum ersten Mal zu Unstimmigkeiten zwischen Tourbeschreibung und Beschilderung. Nach reichlich Diskussion und Kartenbegutachtung treffen wir die richtige Entscheidung und weiter geht es steil berauf. Erst durch lichten Wald, dann entlang saftiger Almwiesen. Um 11.30 Uhr ist eine kleine Rast angesagt, die mit Fleischwurst und Tomatensalatresten noch aufgewertet wird. Nach 30min Pause geht es nochmals für 1½ Stunden bergauf, so dass wir gegen 13.30 Uhr die Schartalm erreichen und wenig später auf der Lichtenberger Scharte erneut rasten. Der richtige Zeitpunkt für einen Schluck aus Heikos Pulle, gefüllt mit selbstgemachtem Zirbenschnaps und um die Sonne zu genießen, die Waldluft in die Lungen und die Augen in die Natur schweifen zu lassen.
Dann sollte es eigentlich weitergehen. Problem nur: woher? Wieder Karte studieren, diskutieren und los geht es. Nach 20 Minuten bietet sich uns ein herrliches Bergpanorama und zu gleich die Erkenntnis, dass wir uns wohl für den falschen Weg entschieden haben. Also zurück, wieder am Rastplatz angekommen finden wir dann auch den umgestürzten Pfosten mit der Wegmarkierung. Während Jörg und Andreas schon talwärts starten, verweilt der Rest noch ein wenig in der Sonne. Der Weg verläuft steil bergab, überwiegend über Wiesen, ab und an mal ein kleines Waldstück. Obwohl Andreas und Jörg eben noch in Sichtweite waren, haben wir diese offensichtlich wohl verloren. Sie haben sich für eine etwas längere, aber weniger steile Wegvariante entschieden. So wandern wir zügig weiter bergab und entscheiden uns kurz vor dem Zielort Stilfs [1310m ü. NN] auf die Zwei zu warten. Wie wir später erfahren sollten, trifft deren Weg aber entgegen unserer Annahme erst kurz danach auf unseren Weg. So warten wir eine gute Stunde vergebens. Keineswegs verschenkte Zeit, denn in der Sonne zu liegen, die Natur zu geniesen und Leckereien aus Heikos unerschöpflichem, kulinarischen Wunder-(Wander) rucksack zu verköstigen, ist wohl mit das Beste was man mit Zeit so anfangen kann. Gegen 16.45 Uhr erreichen wir dann den Stilfser Hof, unsere Bleibe für die Nacht.
Jetzt erst einmal eine Apfelschorle und Kaffee. Jörg und Andreas sitzen bereits auf der Terrasse. Der Stilfser Hof bietet recht ansprechende Zimmer und eine sehr schöne Aussicht. Er kann aber insbesondere durch ein leckeres 5-Gänge-Menü für sensationelle 15 € punkten. En detail heißt das: Salatbuffet – Risotto mit Hirschcarpaccio – Karottencremesuppe mit Kürbiskernöl – Rindernüsschen mit Rotkraut und Eiernudeln – Amarettokuchen. Na Hunger?
Den Rest des Abends verbringen wir traditionsgemäß mit dem ein oder anderen Getränk, soweit es der Bedienung in die Planung passt, garniert vom Länderspiel Deutschland-Schottland.


Von Stilfs nach Sulden


3. Tag – Montag 08.09.2015 - 2. Etappe von Stilfs nach Sulden

7.15 Uhr finden sich schon die ersten zum reichhaltigen Frühstück ein.
Wie es ausschaut, steckt allen der Vortag in den Knochen, dennoch kein Gejammer. 8.40 Uhr, nach dem obligatorischen Gruppenfoto heißt es: Auf geht’s! Jörg und Andi wählen die Variante Bus, um die 200 Höhenmeter vom Hotel Stilfser Joch runter zur Stilfser Brücke zu überwinden. Peter, Heiko, Reinhold und Thorsten starten zu Fuß. Ein erster Gruß der Oberschenkel erreicht umgehend die obere Schaltzentrale. Um 9.30 Uhr erreichen wir die Bushaltestelle. Andreas und Jörg sind schon los und nicht mehr zu sehen. Wir treffen während des schon zur Gewohnheit gewordenen Kartenchecks noch auf einen anderen orientierungslosen Wanderkollegen. Thiemo aus Rottweil läuft ebenfalls die Vinschgau Trekking Tour, allerdings allein. Er soll uns aber noch öfter begegnen und am Ende ein Bestandteil der Tour werden.
Von hier an beginnt der Aufstieg, erst noch recht moderat, dann wird es zunehmend und nicht enden wollend steiler. Einige meistern den langen Anstieg gut, anderen liegen Begriffe wie „barbarisch“ auf der Zunge. Thorsten schmerzt die Hüfte und kraft- und luftmäßig ist er  heute genauso am Limit wie Peter. Reinhold ist so souverän wie gestern und Andreas ebenfalls gut dabei. Heiko läuft sowieso außer Konkurrenz und Jörg, der zwar langsam läuft, aber die Pausen (welche Pausen?) kurz hält, überrascht trotz seines lädierten Fußgelenks mit einer super Leistung.
Es geht über zwei Stunden durch recht dichten Wald extrem steil bergauf, bis früher oder später alle mehr oder minder fertig auf der Vellnairalm [2016m ü. NN] eintreffen. Thiemo ist übrigens auch schon da.
Bei grandiosem Panorama und herrlichstem Wetter gibt es hier endlich die lang, lang ersehnte Pause. Schnell sind in der warmen Sonne die Strapazen des Aufstiegs vergessen und mit einigen kleinen Snacks wird der Akku schnell wieder aufgeladen.
Anschließend verläuft das Gelände in leichtem Auf und Ab, das schnell in ein permanentes Ab übergeht. Sehr schön zu laufender schmaler Waldpfad. Unser Silberrücken stetig voran. Einziges Hindernis stellen vier Kühe dar, die sich nicht so ohne Weiteres  überholen lassen wollen.
Gegen 14.15 Uhr erreichen wir den Gasthof Waldruhe [1857m ü. NN] , ein wahres Kleinod mitten im Wald. Jetzt ist leckerer Kaffee mit Apfelstrudel angesagt – und was für ein super Apfelstrudel. Reinholds Bestellung eines alkoholfreien Weizenbiers erweist sich für ihn als schwerer Fehler, für den Rest der Gruppe hingegen als allerbestes Lästerfutter. Initialzündung hierfür sind zahlreiche, gezielt gesetzte Bemerkungen des Wirtes (Wir bedanken uns hier recht herzlich dafür. Ok Reinhold, du vielleicht nicht).
Für einige gibt es noch Speckknödelsuppe, Spinatknödelsuppe oder auch Tomatentoast. Nach der ausgiebigen Pause noch ein Stündchen weiter bergab bis Sulden [1846m ü. NN] in die Pension Garni Panorama . Der Name ist durchaus berechtigt, schöne Zimmer mit Balkon und herrliche Aussicht auf den Ortler. Auf Empfehlung der sehr netten und freundlichen Wirtin brechen wir um 18.45 Uhr auf Richtung Hartmanns Weinstube im Parc Hotel. Thiemo ist auch mit von der Partie. Hier gibt es unter anderem Entrécôte vom Feinsten, große Portionen,  also sind alle begeistert und die Teller sind schenll leer. So sollte es den folgenden Tag schönes Wetter geben. Nach diversen Getränken und einem feinen Williams, für den wir Andreas danken, treten wir gegen 22.00 Uhr den Heimweg an.

 


Von Sulden zur Zufallhütte


4. Tag – Dienstag 09.09.2015 - 3. Etappe von Sulden über das Madritschjoch zur Zufallhütte

Früh morgendlich grüßt der Ortler mit goldenem Gipfel. Der richtige Einstieg in den Tag mit der bevorstehenden Königsetappe. Nach dem prima Frühstück heißt es Wanderschuhe schnüren und auf zum Gruppenfoto vor grandioser Kulisse. Nanu, einer fehlt.
Jörg hat es wohl vor Tatendrang nicht mehr ausgehalten. Der Rest der Gruppe wandert dann gegen 8.45 Uhr los. Drei Kilometer sind es von der Pension Panorama durch Sulden bis zur Bergstation [2610m ü. NN].
Wir hatten gestern noch entschieden uns den Aufstieg bis zur Bergstation zu sparen und unsere Energie für die Überquerung des Madritschjochs aufzuheben. Mal wieder ein Tag mit Königswetter, strahlend blauer Himmel und wohlig wärmende Sonne, es ist kaum zu glauben welches Glück wir mit dem Wetter haben. Der Weg bis zur Talstation ist schnell erledigt und nach nur kurzem Warten auf die 110 Personen fassende Gondel der Seilbahn  fahren wir dann über die Mittelstation, mit einmal Umsteigen, zur Bergstation auf rund 2620 Meter Höhe.
Nach reichlich Fotoshooting vor dem Ortler gehen wir die ersten 200 Höhenmeter bis zur Madritschhütte [2820m ü. NN] (Webcam)  an. Der Weg lässt sich trotz starker Steigung gut laufen, vielleicht auch weil die Bergkulisse die Gedanken ablenkt und die Zeit verfliegen läst. Es sind reichlich Wanderer unterwegs zum Madritschjoch, zu unserem Erstaunen aber auch recht viele Mountainbiker.
Wir genehmigen uns auf der Hütte einen Cappuccino, vielmehr werden wir von unserem zugelaufenen Rottweiler Thiemo dazu eingeladen, Dank dir Thiemo! Offensichtlich hat er verstanden, wie diese Gemeinschaft tickt. Von der Hütte aus führt uns ein breiter, steiler Schotterweg stetig bergan in Richtung Madritschjoch. Thiemo (der Mann mit GPS-Gerät) gibt mit hochgerissenen Armen das Signal, dass wir die 3000 m Marke erreicht haben.
Der Anstieg ist zweifelsfrei anstrengend, bringt aber keinen an seine Grenzen. Auch liegt hier noch ein wenig Schnee, doch der Weg ist frei und so verschönt der Schnee lediglich das Gesamtbild und erhöht die Aufmerksamkeit.
Dann heißt es: „Ziel der Königsetappe erreicht“. Auf dem Madritschjoch [3123 m ü. NN] pfeift ein eisiger Wind, doch die Euphorie des erreichten höchsten Punktes unserer Tour heizt von innen auf. Hier genießt auch Thorsten endlich nach Beendigung seiner Antibiotika-Einnahme, erstmals einen ordentlichen Schluck aus Heikos Zirbenschnaps-Flasche zur Belohnung und holt bei der Gelegenheit auch gleich mal Tag 2 und 1 nach. Oben auf dem Joch ist reger Betrieb, doch die meisten steigen wieder ab Richtung Bergstation. Hier auf 3122m ü. NN werden erst mal reichlich tolle Fotos geschossen. Das 360° Panorama ist fantastisch und atemberaubend, besonders bei so herrlichem Wetter.
Es kommen Überlegungen, auch noch den Gipfel der Schöntaufspitze [3325m ü. NN] mitzunehmen, doch werden diese ähnlich schnell wieder verworfen. Es wird zum Abstieg gerufen. Reinhold und Thorsten entscheiden sich den Aufenthalt hier „on Top“ aber noch zu verlängern. Viele sind schon wieder gegangen und es wird ruhig am Madritschjoch. Reinhold und Thorsten saugen die unfassbare Schönheit und Kraft dieses Ortes auf. Mit Sicherheit ein Bild, das sie für lange Zeit in sich tragen werden. Bald darauf machen auch die Beiden an den Abstieg. Das erste Stück ist extrem steil und erfordert volle Konzentration. Doch schon bald wird es etwas gemäßigter und der Abstieg ist gut zu bewältigen. Wenig später treffen sie  auf Peter und dann auf noch zwei weitere Gesinnungsgenossen, die offenbar ähnlich Gedanken hatten. Andi und Heiko sitzen, bzw. liegen sichtlich tiefenentspannt an einer kleinen Felsgruppe. Wir  genießen ein weiteres Päuschen. Wandern besteht halt nicht nur aus laufen, sondern es braucht auch Zeit um zu verweilen und Eindrücke zu sammeln.
In dieser Fünf-Mann-Konstellation geht es dann immer weiter Richtung Zufallhütte, mit schönen Pausen, aber auch zügigem Gang. Fantastisch, genau das ist es, was die Gruppe der Bergwanderfreunde ausmacht. Der Abstieg ist durchaus lang, aber sehr gut zu laufen und bietet ständig ein herrliches Panorama. Aber die Uhr ist an diesem Tag eh sehr kurz gekommen und das ist auch gut so. So gegen 15.30 -16.00 Uhr laufen wir dann auf der Zufallhütte [2264m ü. NN]  ein.
Eine tolle Terrasse mit Sonnenschein hält uns davon ab, in die Hütte zu gehen. Jörg und Thiemo, die schon in der Hütte waren, stoßen hinzu und die BWF sind wieder komplett. Jetzt erst mal ein Bier, dann ein Spruch, ein Bier , ein Spruch...
Irgendwann wird es dann draußen zu frisch und wir beziehen Quartier. 2-Mann-Zimmer,
2,3 m x 3 m Raumgröße,  Etagenbett und Waschbecken. Also alles da, was wir brauchen.  Lobend erwähnt sei hier der gute Service des Hüttenwirtes und das leckere Essen. Wir hatten prima Lasagne, Salat, dann Kartoffeln mit Schweinebraten und gedünstetem Gemüse und anschließend noch ein Obstsalat. Beim Essen zeigt uns Thiemo dann, was ein Schwabe zu leisten vermag. Hut ab, ein Schwabe ißt halt immer auf.
Bei geselligem Würfeln und Kartenspielen und der ein oder anderen Karaffe geht der Abend dann noch ein Weilchen weiter, bis auch den letzten die nötige Bettschwere auf die Stube treibt.


Von der Zufallhütte nach Martell


5. Tag – Mittwoch 10.09.2015 - 4. Etappe von der Zufallhütte nach Martell Dorf

Nach dem guten Frühstück geht’s pünktlich um 8.30 Uhr talwärts. Noch liegt alles in leichten Nebel gehüllt, der sich während des stetigen Abstiegs nur langsam auflöst und den Blick auf die Berge freigibt. Ein schöner schmaler Weg führt uns entlang eines Gebirgsbaches permanent bergab durch lichten Nadelwald in Richtung des alten geschichtsträchtigen Hotels Paradiso .
Der Zufrittsee [1850m ü. NN] lässt etwas auf sich warten, ist dann aber doch bald in Sichtweite. Die nächsten zweieinhalb Kilometer geht es gemütlich am Stausee entlang. Dann auf dem Talweg 36 weiter talwärts.
Unterhalb des Stausees trennen wir uns von unserem Strippenzieher Jörg, der seinem geschädigten Fußgelenk Tribut zollt und ab dem Biathlonzentrum den Rest des Weges mit dem Bus fährt. Unter den Voraussetzungen hat er ohne Zweifel eine beachtenswerte Leistung erbracht, Hut ab davor. Für die verbliebenen Sechs heißt es dann weiter wandern. Noch ein kurzes schönes Päuschen im Wald, wo uns Heiko wieder mit kleinen Leckereien vom Münsteraner Markt verwöhnt und dann weiter bergab. Um 13.30 Uhr erreichen wir, bei mittlerweile wieder sommerlichem Sonnenschein, endlich die langersehnte Jause in Maria in der Schmelz.
Hotel Restaurant Waldheim lädt mit gut bestückter Speisekarte zum Verweilen ein. Hier gibt es einen 1a Hirschgulasch mit Spätzle, Rotkohl und Preiselbeeren und für Andreas auch im Anschluss noch ein Erdbeerküchlein (ca. 500 g) aus dem Erdbeertal Martell. Unser besonderes Lob geht hier an die gute und aufmerksame Bedienung (was natürlich überhaupt nichts mit der spendierten Runde Schnaps nach Wahl zu tun hat...).
Hier und da fällt doch dann tatsächlich mal ein Tröpfchen Regen vom Himmel, aber nur ganz vereinzelt und schnell gewinnt die Sonne wieder die Oberhand. Wir machen uns auf die Hufe für die nächsten fünf Kilometer nach Martell [1420m ü. NN]. Der Weg ist breit und leicht zu laufen, so dass man auch mal plaudernd nebeneinander hergehen kann. Das letzte Stück von Martell zum Hotel geht es nochmal steil bergan (200 m). Jörg erwartet uns schon auf der Terrasse des Gasthofes Edelweiss. Nach einem aufwendigen Eincheck-Verfahren geht es erst mal kurz auf die sehr schönen Zimmer (nicht für alle!) und ab unter die Dusche. Dann bricht urplötzlich ein Gewitter mit Hagel los, jetzt erst mal schnell die Schuhe vom Balkon retten, puhh, das war knapp. Die Wetterprognose für den morgen veranlasst auch Karl Gapp, von der Vinschgau incoming, per Telefon für den nächsten Tag  gegebenenfalls einen Plan B mit weniger Laufzeit durchs Tal anzubieten, denn es hat sich Schnee angekündigt.
Nach und nach finden sich alle im Gastraum ein. Alle? Nein, einer fehlt. Peter hat es wohl ad hoc umgehauen, doch ein Viertelstündchen power napping bringt auch Peter wieder zurück ins Leben. Trotz guter Mittagsmahlzeit bestellen alle noch mal das volle Programm: Suppe, Gulasch oder Jausen Brettl, Speckjause, Rouladen oder Herrenkrüstl. Anschließend darf Bier, Rotwein, Ramazotti, Zirbenschnaps, Williams und Edel-Rauke nicht fehlen – spät wurde es.


Von Martell nach Glurns

6. Tag – Donnerstag 11.09.2015 - 5. Etappe von Martell nach Glurns
                        Variante 1: über das Kreuzjöchl
                        Variante 2: über den Talweg
Nach einem reichhaltigen Frühstück gibt es erst mal eine Routen-Diskussion. Flachlandziege Heiko, unser Silberrücken Reinhold und unser zugelaufener Rottweiler Thiemo werden die planmäßige Route über das Kreuzjöchl laufen. Andreas, Peter und Thorsten den Talweg und Strippenzieher Jörg schont weiter seinen Fuß und fährt mit dem Gepäcktransport.

Variante 1, Kreuzjöchl
Reinhold, Heiko und Thiemo starten auf dem steilen Weg Nr.1 in Richtung einer dicken Wolkendecke auf ca. 1300-1500 m Höhe. Auf dem ersten Wegweiser steht: Kreuzjöchel Gehzeit 2 Std. . Wir planen daher wie immer etwas mehr an Zeit ein, vor allem wegen der unsicheren Wetterlage (es war ja Schnee angekündigt). Nach dem ersten Steilstück geht es über Oberhöf und Stauda mit gemäßigten Steigungen an alten Bauergehöften mit Heuvergasermopeds vorbei. Die Wolkenschicht treffen wir bei ca 1600 m, aber zum Glück ist es nur stark diesig mit einigen Tropfen, der Schnee bleibt zum Glück aus. Die meiste Feuchtigkeit produzieren wir dann aber beim Anstieg durch einen lichten Lärchenwald zum Kreuzjöchl (2053m) selbst, wo wir nach 1h 45 min Gehzeit (inkl. Pausen) mächtig prustend und außer Atem ankommen . Hier wird der letzte Schluck „Zirben“ geteilt und danach erfolgt der Abstieg durch einen schönen Mischwald über die Forsthütte zum Haselhof (1574m). Hier wird lecker zu Mittag gegessen und wieder zeigt sich: Ein Schwabe isst immer auf (ca ein Pfund Spaghetti mit Sauce!) Leider ist die weitere Wegbeschreibung mäßig, da der in der Wegbeschreibung von Vinschgau incoming, als auch in der aktuellen Wanderkarte 069 von Kompass mit 2B bezeichnete Weg leider nirgendwo als Wegzeichen vorhanden war. So sind wir mal wieder nach Gefühl gelaufen, was mit einigen Mehrkilometern verbunden war. Zu unserer Freude kam jetzt aber wenigstens die Sonne noch durch.
Letzendlich kamen wir aber über schöne Waldwege dann an den Kohlplätzen (1666m) an, wo sich sogar eine dringend benötigte Toilette in einem selbstgezimmerten Häuschen befand (Plumpsklo mit Brille!) Danach ging es zumindest einem von uns sichtbar besser. An der Kleinalm angekommen war wieder die Wegführung nicht auszumachen, was erneut zu einem Zeitverlust, unnötiger Laufarbeit und auch Unzufriedenheit in der Wandertruppe führte! Leider half Thiemos GPS-Gerät auch nicht, da die Kartendaten nicht geladen waren. Irgendwie haben wir dann doch noch den Weg Nr. 10 gefunden, der uns über schmale Hänge und gut ausgebaute Forst- und Waldwege nach Tarnell führte. Weiter geht es durch den Tarneller Wald Richtung Laas. Trotz einer Warnung in unser Wegbeschreibung, nicht der Markierung in den Bruggwald zu folgen landen wir dort und haben dann nach dieser letzten Zusatzetappe kurz nach 18.00 Uhr das Marmordorf Laas erreicht. Von hier laufen wir jetzt nur noch knapp 30 Minuten über weiße Marmorpflastersteine bis zum Bahnhof. Der letzte Zug nach Mals ist  vor 10 Minuten ab gefahren und so aktivieren wir den Rest der Truppe, die uns dann mit dem Bergwanderfreundebus aus Glurns abholen und uns gemeinsam nach Glurns bringen. (Gefühlte Wanderleistung ca 20 km- bei ca 8 Std. Gehzeit)

Variante 2, Talweg
Wir starten um 9.30 Uhr und laufen die gestern mühsam aufgestiegenen 200 Höhenmeter gemächlich wieder hinab. Weg Nr. 36 führt uns immer schön am Fluss entlang. Sonne und Schatten wechseln sich ab. Dann folgt noch etwa für 30 Minuten ein Waalweg  und der Abstieg nach Morter. Dort am Gasthof Krone angelangt heißt es mal wieder Apfelstrudel, Cappuccino und Apfelschorle auf der warmen Sonnenterrasse genießen. Wir entscheiden uns, noch weiter bis nach Schlanders zu wandern und suchen uns den Weg durchs Dorf. Durch schier endlos scheinende Apfelplantagen geht es angenehm flach bis Schlanders, leider aber permanent auf Teer. Die Apfelernte steht unmittelbar bevor, überall stehen schon die Kisten bereit, wird auch Zeit, denn die Bäume hängen voll mit den schönsten Äpfeln der unterschiedlichsten Sorten.
Nach eineinhalb Stunden Fußweg erreichen wir Schlanders [699m ü. NN] und dort das Hotel Goldene Rose, dass wir uns noch in herrlicher Erinnerung von der 2013er Vinschger Höhenweg-Tour behalten haben. Hier erst mal ein kurzes Fotoshooting und direkte Weiterleitung an Reinhold. Vom Hotel Rose aus sind es noch 20 Minuten bis zum Bahnhof Schlanders. Nach dem Ticketkauf bleibt hier noch genug Zeit für ein leckeres Forst-Bier. Die Bahn fährt fünf Stationen bis Marls und so können wir nochmal das schöne Bergpanorama genießen. Von Marls bis Glurns tun wir uns etwas schwer mit der Wegfindung und queren dann abseits jeden Weges eine große Wiese, immer auf den Kirchturm von Glurns zuhaltend. Eine halbe Stunde brauchen wir ca. für die Strecke von Marls nach Glurns, bis wir wie bereits an Tag 1 vor dem Hotel „Grüner Baum“ stehen.
Die für die B-Variante immerhin noch guten fünf Stunden Laufzeit sind deutlich in den Beinen zu spüren. Das war´s für uns Drei, „Vinschgau Trekking 2015“.
Jörg sitzt auch auf dem Platz vor dem Hotel und gemeinsam suchen wir uns einen Tisch beim Hotel. Um 18.30 Uhr telefonieren Andi und Heiko. Die Drei Wander- Musketiere stehen in Laas am Bahnhof. Jörg und Andi fahren mit dem BWF-Bus nach Laas, um die Jungs abzuholen.

Gegen halb Acht geht es wieder gemeinsam ins Gasthaus Steinbock, wo wir bei gutem Essen und leckerer Pala Birne die gelungene Wandertour abschließen.


Rückreise

7. Tag - Freitag 12.09.2015 – Rückreise

Letztes gemeinsames Frühstück um 8.00 Uhr und dann heißt es für einige noch schnell brennbares Flaschenobst kaufen. Nach dem wir uns von Wanderfreund Thiemo verabschiedet haben, starten wir dann um 9.15 Uhr Richtung Heimat. Eine halbe Stunde später sind wir schon über die Grenze nach Österreich. Wir nehmen Kurs auf das Zwischenziel Memmingen. Dort wartet Peters Lebensgefährtin Juliane mit einer letzten Super- Brotzeit auf uns. Es gibt köstlichen Wurstsalat, Semmeln, Brez'n und Oktoberfestbier. Weiter geht’s gen Heimat, die wir dann nach guter Fahrt um 19.15 Uhr erreichen.


Vielen Dank......

natürlich an unsere geliebten Frauen für ihr Verständnis, Unterstützung und Vertrauen.
Thiemo für die schöne gemeinsame Tour und die Bereicherung der Truppe.
An Flachlandziege Heiko, für die akribische und zeitaufwendige Tourenplanung und die Organisation des BWF-Busses.
Besonderen Dank hier Webmaster Peter für die viele, super gelungene Arbeit an der neuen Homepage und die wiedermal modisch herausragenden T-Shirts.
Vielen lieben Dank an Juliane für die Super- Brotzeit  in Memmingen.
Dankeschön Carola für die tolle Stickarbeit  an unseren neuen Fleece-Jacken und Handtüchern. (vielleicht bald hier  erhältlich!)
Und dann sind da noch: Vinschgau incoming, Ford Fischer, all die super Köche und die freundlichen Bedienungen, Hütten- und Hotelwirte, sowie diversen Brauereien und Brennereien.
Wem dankt man eigentlich für das super Wetter?

… und zuletzt unseren nicht mehr ganz frischen Knochen, dass sie mal wieder durchgehalten haben.

Karten:

KOMPASS
Wandern – Rad – Skitouren 069
Maßstab 1:50.000
Schlanders und Umgebung
GPS-genau
www.kompass.at ( http://www.kompass.de/ )

KOMPASS
Wandern – Rad – Skitouren 72
Maßstab 1:50.000
Ortler/Cevedale
GPS-genau
www.kompass.at ( http://www.kompass.de/ )