Vinschger Höhenweg

Wanderung auf dem Vinschger Höhenweg in Südtirol

Wandertour der Bergwanderfreunde vom 8. bis 15. Juni 2013

92 km

5 Tage

4480m

5450m


Und wieder einmal machen sich sechs Paar Wanderstiefel (später fünf  Paar Stiefel und ein Paar Schuhe) auf den Weg in die Berge. Diesmal stecken in den Stiefeln: Reinhold, Heiko, Marko, Andi, Manni und Thorsten. Ziel der Bergwanderfreunde ist wie schon mehrmals zuvor Südtirol, dieses Mal der Vinschgau. Die Planung und Organisation der Tour hat wieder Heiko übernommen, bei dem wir uns an dieser Stelle für seine sorgfältige und zeitintensive Arbeit bedanken. Dank seinem Engagement hatten wir alle eine unbeschwerte Woche Wandergenuss. Von Vorteil bei der Tourenplanung war diesmal sicherlich die Zusammenarbeit mit der Vinschgau incoming GmbH (hier besten Dank an Karl Gapp), die u.a. ein sechs-Tages Wanderpaket für den Vinschger Höhenweg anbieten. Das Paket beinhaltet neben Übernachtung mit Frühstück, Wanderkarte und Rücktransport zum Startort auch den Gepäcktransport, so dass wir dieses mal nur mit Tagesrucksack unterwegs sein konnten. Heiko hat die Tagesetappen dann noch umgeplant und unseren Bedürfnissen und Wünschen angepasst. Auch sind wir während der Tour schon mal vom eigentlichen Höhenweg abgewichen und haben uns die Strecke so zusammengestellt wie es uns am besten schien.

 


 Wegbeschreibung / Tourenverlauf

 

 

Die Südhänge des Val Venosta lassen auch schon im Juni auf Sonne und schneefreie Höhen hoffen und locken mit herrlicher Natur und grandiosem Panorama. Der Vinschgau verläuft vom Reschenpass bis Mals in Nord-Südrichtung und bis Laas in Richtung Südost, dieser Abschnitt wird auch als Obervinschgau bezeichnet. Von Schlanders bis Staben (Naturns) erstreckt sich der Untervinschgau in Richtung Osten. Der Vinschgau liegt zwischen folgenden Gebirgszügen: Im Norden die Ausläufer der Ötztaler Alpen, an die sich gen Osten die Texelgruppe anschließt. Im Westen des Vinschgau liegt die Sesvennagruppe und im Süden Nördersberg und Ultner Berge.



 

 

1. Tag: Samstag 08.06.2013 – Anreise

Wir starten morgens, nach kurzem, schweren Abschied von unserem Strippenzieher Jörg und unserem Webmaster Peter, per Bahn gen Südtirol. Wir fahren wieder mit der günstigen Zugverbindung von München über Innsbruck und Brenner bis Bozen und von dort bis Meran. Diesmal nutzen wir ein günstiges Bahnangebot und reisen luxuriös in der 1. Klasse Mit an Bord waren zwei Galonen Gerstensaft (diesmal aber Touristenbräu aus Bayern), unterstützt durch Haubergsfeuer und Ramazotti und die legendären Wurstspezialitäten aus Wittgenstein. So ausgestattet lässt sich die Bahnfahrt durchaus angenehm gestalten. Bei der Ankunft in Meran steht das Taxi schon startklar vor dem Bahnhof. Für 44 Euro fährt uns das Taxiunternehmen Waltraud Pöhl-Mayr bis zum Haus Sackgut in Tschars. Alles wieder  einmal perfekt vororganisiert und bestellt von Wanderfreund Heiko. Unsere Unterkunft liegt umgeben von Apfelbäumen etwas abseits und bietet einen schönen Ausblick auf  Schloss Juval. Zum Abendessen geht es 15 Minuten zu Fuß in den Ort zur Pizzeria Sonne. Hier gibt es variantenreiche und leckere Pizza und ein empfehlenswertes Chilli-Öl (uffpasse!).


2.Tag: Sonntag, 09.06.2013 von Tschars nach Sankt Martin im Kofel

Bei leichter Bewölkung und angenehmer Temperatur starten wir morgens 9.15 Uhr unsere erste Etappe des Vinschger Höhenweges. Es geht auf abwechslungsreichen Waldpfaden stetig hoch und wird zunehmend steiler. Kurz nach Mittag haben wir die ersten 800 Höhenmeter hinter uns gebracht und erreichen die Jausenstation Hofschank Niedermair [1360m ü. NN]. Diese Jause ist prämiert als „Bäuerlicher Schankbetrieb des Jahres 2011“ und wir nutzen die Gelegenheit uns von seiner Qualität zu überzeugen.
Gut gestärkt und einen kleinen Regenschauer später geht es weiter durch herrlichen Lärchenwald, immer dem roten Fuß mit den vier Zehen, dem Wandersymbol des Vinschger Höhenweges, folgend. Das Gelände steigt gemäßigt an und der Weg ist abwechslungsreich und bietet immer wieder gute Ausblicke auf das von Apfelbäumen bedeckte Tal und die gegenüberliegenden schneebedeckten Berggipfel. Gegen 16.00 Uhr erreichen wir unsere Bleibe für die Nacht, die Jausenstation Oberkaser. Das erste Radler ist noch nicht komplett die Kehle herrunter, da vertreibt uns ein kräftiger Regen- und Hagelschauer von der eben noch sonnigen Terrasse.
Als Nachtquartier bekommen wir zwei schöne, gut ausgestattete, Ferienwohnungen im Haus, inklusive Balkon und riesigem Badezimmer.
Wir genießen den Abend (Limbo-Kickern) bei Bier und Wein und leckerem zünftigen Essen. Der Oberkaser hat eine eigene Käserei, sehr lecker! Überhaupt kommt hier wohl fast alles aus eigener Herstellung oder Ernte, ob Käse, Butter, Joghurt, Milch, Eier, Salat oder Marmelade. Sowohl Abendessen als auch Frühstück verdienen hier das Prädikat wertvoll.
An diesem Sonntag ist Herz Jesu Sonntag, an dem traditionell die jungen Männer oben auf den Bergen Feuer entzünden, teils als Motiv, teils als Lichterkette. Leider lies uns die aktuelle Wetterlage nur sehr wenig erkennen.


3.Tag: Montag, 10.06.2013 von Sankt Martin im Kofel nach Schlanders

Die heute mit 24,9 km Länge eigentlich anstehende Königsetappe des Vinschger Höhenwegs hatte Heiko im Vorfeld schon mit Herrn Gapp auf zwei Etappen umgeplant.
Bei einem ersten Blick nach draußen wurde jedem klar: das hat er gut gemacht! Der Oberkaser ist eingehüllt in dichte Nebelschwaden, es nieselt und die Sicht beträgt gefühlte 10m. Trotz des Wetters ist die Stimmung in der Gruppe wie gewohnt gut. Also Regenjacke an und los. Das erste Wegstück ist breit, mit wenig Höhenunterschied und leicht zu laufen. Schon nach etwa 45 Minuten treffen wir auf die Jausenstation Egghof [1677m ü. NN] (+39 0473 623628). Da keine weitere Jause mehr auf der Strecke liegt nutzen wir die Gelegenheit bei einem leckeren Cappuccino und von der Wirtin spendierten Krapfen den aktuellen Regenschauer (9°C) auszusitzen. Vom Egghof aus geht es stetig leicht bergab auf zunehmend schmaleren Wegen.
Wie schon gestern ist auch heute der Weg ausgesprochen abwechslungsreich, nur fehlt es aufgrund des Wetters an Aussicht. Kurz hinter Patsch verlassen wir den Vinschger Höhenweg und folgen dem Weg Nr. 14, der uns steil bergab Richtung Schlanders führt. Um 12.45 Uhr kommt die Sonne raus und die Wolken ziehen ab. Vor dem letzten sehr steilen Abstieg lässt sich noch der herrliche Ausblick auf das Tal und die Gipfel von Weisswand, Hörnele und Jennwand genießen.
Unser Hotel Goldene Rose liegt mitten in der Fußgängerzone von Schlanders und bietet gute Möglichkeit draußen zu sitzen.
Hier wird uns neben sehr schönen Zimmern und tollem freundlichem Service auch noch Whirlpool und Sauna geboten (Jause deluxe). Ein wahrhaft krönender kulinarischer Abschluss des Tages ist aber sicherlich die ausgezeichnete Küche der Goldenen Rose mit anschließender „Pala Birne“ (einheimischer Schnaps).


4. Tag: Dienstag, 11.06.2013 von Schlanders nach Tanas / Paflur

Am nächsten Morgen heißt es bei schönem Wetter die gestern abgestiegenen Höhenmeter wieder aufzusteigen um wieder auf den Vinschger Höhenweg zu stoßen.
Wir folgen zuerst Weg Nr. 4 dann Weg Nr. 15 und entscheiden uns dann letztendlich für Weg 4a Richtung Talatsch, um die in unseren Karten verzeichnete Jause Waldenthal mit einzubauen. Diese Jause gibt es nur leider nicht mehr. Der Aufstieg nach Talatsch ist lang und steil (was nicht jeder Wanderschuh aushält) aber meist breit und gut zu laufen. Nach etwa 2,5 Std. und 750 Höhenmeter erreichen wir wieder den Vinschger Höhenweg.
 Es geht eine Weile an der Strasse lang und man merkt warum der Sonnenberg seinen Namen trägt.
Um den Umweg über Talatsch wieder zu kompensieren kürzen wir ab und entscheiden uns über den Saghof (Weg 15a) und von dort über den Stifthof (Weg 17a + 19) nach Tanas zu laufen. Leider keine gute Entscheidung, da man ab dem Saghof nur noch auf Asphalt unterwegs ist. Hier empfiehlt es sich weiter auf dem Vinschger Höhenweg zu bleiben.
Auf der  sonnigen Terrasse des Gasthofs Paflur  lässt es sich dann bei kühlem Bier und Radler gut erholen. Die Zimmer sind groß und sauber, mit Balkon und schönem Ausblick Richtung Stilfser Joch. Das Bad etwas kleiner, aber vollkommen ausreichend. Hier gibt es leckere Suppe und einen empfehlenswerten Grillteller (auf Anfrage bestimmt auch die eine oder andere Schüssel Tomatensalat mit Zwiebeln). Alternativ zum üblichen Bier wird hier auch prima Rotwein angeboten. Hier danken wir Ingrid für die gute Temperierung der Getränke und die freundliche Bedienung.


5. Tag: Mittwoch, 12.06.2013 von Tanas / Paflur ins Matschertal / Glieshof

Heute heißt es mal eine Stunde früher raus aus den Federn, denn die Etappe ist über 20km lang. Da leider auch auf dieser Etappe keine Jausenstation liegt, packen wir reichlich Wasser und Proviant ein. Es geht zunächst auf Asphalt leicht bergauf, doch schon bald wechselt der Weg auf weichen Waldboden und führt durch schöne Lärchenwälder, deren Schatten man schnell zu schätzen lernt. Aufgrund des herrlichen Wetters können wir heute den ganzen Tag die fantastische Aussicht auf das schöne Tal um Schluderns, das Matschertal und die schneebedeckten Gipfel genießen.
Gegen frühen Mittag erreichen wir den Gschneir Waalweg. Auf diesem schönen restaurierten Waalweg geht es für die nächste Stunde immer nur ganz leicht bergauf. Im Anschluss folgt noch ein weiterer Waalweg, allerdings nicht restauriert, bevor der Weg wieder ansteigt. Es geht im Schatten des Waldes vorbei an einer alten Zollhausruine langsam hoch ins Matschertal.
Der Weg das Matschertal hoch führt über den Hahnenhof und den Patleidhof auf breiten Wegen (leider hier auch wieder etwas viel Asphaltanteil) bis nach Außer-Glieshof, wobei man sich stetig dem stark ansteigenden Talboden des Matschertales nähert. Von Außer-Glieshof bis zu unserem Ziel, Glieshof, ist es nur noch ein Viertelstündchen.
Das Haus ist sehr gut ausgestattet, sauber und bietet ein klasse Frühstück. Abendessen wird nicht angeboten, dafür liegt direkt nebenan das Almhotel Glieshof mit einem schönem Außenbereich, tollem Panorama, reichhaltiger Karte und freundlichem Service.


6. Tag: Donnerstag, 13.06.2013 vom Glieshof über Niederjoch und spitzige Lun nach Planeil

Aufgrund unserer Teilung der zweiten Etappe in zwei Teilstücke, besteht unsere heutige Tour aus zwei zusammengefassten Tagesetappen und ist dadurch ca. 30 km lang. Da uns das nach den anstrengenden Märschen der letzten Tage ein wenig happig erscheint, suchen wir eine Alternative. Dank der freundlichen Unterstützung von Herrn Heinisch vom Almhotel Glieshof ist diese auch schnell gefunden. Er empfiehlt den Weg über die Gipfel von Niederjoch und Spitzige Lun, dieser Weg sei zwar mit einem ordentlichen Aufstieg verbunden, aber deutlich kürzer und vor allem viel schöner. Der Vorschlag wird einstimmig angenommen, eine Entscheidung für die wohl jeder der Bergwanderfreunde im Nachhinein noch sehr dankbar ist.
So beginnt der mit Abstand schönste und eindrucksvollste Tag der Tour mit einem Aufstieg von Glieshof über Thanei bis wir auf einer Alm auf den Weg Nr.16 treffen. Hier bietet sich uns schon ein grandioses Panorama in wunderschöner Natur, das uns über viele Stunden erhalten bleibt. Wir folgen dem Weg bei leichtem Auf und Ab in Richtung Gonda Alm. Geplant war ab der neuen Gonda Alm diagonal zum Niederjoch aufzusteigen. Wir entscheiden uns allerdings für die Variante dem Weg Nr.15 zum Hochjoch zu folgen. Hier geht es steil den Hang hinauf (neue Wanderdisziplin: am Zaun lang laufen). Da wir wegen des restlichen Schnees nicht über den Gipfel des Hochjochs [2593m ü. NN] wollen, verlassen wir den Weg auf ca. 2300m ü. NN und laufen die nächsten 4 Stunden offroad immer den Pfaden des Viehs folgend und leicht bergan Richtung Niederjoch. Die Strecke ist schwierig und verlangt Konzentration und Trittsicherheit, doch das super Wetter und die herrliche Aussicht lassen alle Strapazen verblassen.
Ein letzter kurzer Aufstieg und wir erreichen um 15.15 Uhr den Gipfel des Niederjoch. Das 360° Panorama, das sich uns hier bietet, haut uns schlichtweg um. Einfach fantastisch!
An Schneefeldern vorbei führt der Weg vom Niederjoch in 30 Minuten zum Gipfel der Spitzigen Lun. Auch hier lohnt sich ein Verweilen und wir genießen nochmals die herrliche Aussicht (Panorama-Terror). Vom Gipfel steht noch ein gut einstündiger Abstieg nach Planeil an. Schnell erreicht man die Baumgrenze und nach der langen Zeit in der prallen Sonne der Berge kommt der Schatten des Waldes gerade recht.
So schön wie die heutige Etappe war, so schön sollte auch der Abend werden. Unser Quartier für die Nacht ist der Gasthof Gemse der Familie Steck. Die Zimmer sind komfortabel und liebevoll eingerichtet. Hier kocht der Chef noch selbst und vieles was sich auf unseren Tellern findet, stand eben noch bei Stecks im Garten. Besonders aber das reiche  Angebot an heimischen Schnapsspezialitäten und vor allem die freundliche Bedienung seien hier lobend erwähnt.


7. Tag: Freitag, 14.06.2013 von Planeil nach Graun am Reschensee

Unsere letzte Etappe ist zudem auch ein Auslauftag für uns. Der Weg ist meist nahezu flach und wir kürzen zu Gunsten eines entspannten Nachmittags über den Weg Nr.15 noch etwas ab.So erreichen wir um 13.30 Uhr den Kirchturm im Reschensee in Graun, wo unsere Tour endet.
Auf der Terrasse des Gasthof Traube kehren wir zu Mittag ein und warten auch da auf den Abholservice von Vinschgau-incoming. Herr Gapp ist pünktlich auf die Minute und bringt uns in etwa einstündiger Fahrt zurück nach Tschars zum Haus Sackgut. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Gepäcktransport während der gesamten Tour reibungslos und unkompliziert funktioniert hat.
Im Haus Sackgut gibt es dann noch ein paar kühle Blonde und vom Hausherrn eine kleine Einführung in die Welt des Enzians. Abendessen wie schon bei der Ankunft in der Pizzeria Sonne



8. Tag: Samstag, 15.06.2013 Rückreise von Meran bis Siegen
Die Rückfahrt erfolgt wieder per Großraumtaxi und Bahn, wobei wir den 22 minütigen  Aufenthalt in München zum Auffüllen unseres Proviants nutzen. Hier geht ein herzliches Dankeschön an unseren Webmaster Peter und an Marion und Werner.



Vielen Dank ......

natürlich an unsere Frauen für ihr Verständnis, Unterstützung und Vertrauen. An Heiko, für die akribische Tourenplanung und natürlich Peter unserem Webmaster, der die Zugfahrt organisierte und auch Versorgungsengpässe ausgleichen konnte.
Vielen lieben Dank an Reinhold und Adelheid für die gute Verpflegung, diesmal mit Zwiebeln, und an Marion und Werner für die lebenserhaltende Sofortmassnahme in München. Und auch an Andi und Marko herzlichen Dank für die Hopfenlogistik.



Karten:

Tabacco Wanderkarte, Blatt 04
Maßstab 1:25.000
Naturns - Partschins - Marling - Dorf Tirol - Riffian -Schenna - Hafling
Stand 2012, UTM-Gitter


Tabacco Wanderkarte, Blatt 43
Vinschgauer Oberland
Maßstab 1:25.000, GPS-fähig, mit UTM-Gitter


Tabacco Wanderkarte, Blatt 44
Vinschgau
Maßstab 1:25.000, GPS-fähig, mit UTM-Gitter


Tappeiner Wanderkarte Blatt 116
Vinschger Höhenweg
Maßstab 1:50000